Zweiter Eindruck einer ehemaligen Volontärin

Nach zwei Jahren zog es mich diesen Sommer erneut in die Ferne. Gemeinsam mit einer Freundin reiste ich für einen Monat nach Südamerika. Ein Besuch bei ‚Minadores de Sueños’ stand natürlich zuoberst auf meinem Reiseprogramm.

Als ich das Projekt vor zwei Jahren als Volontärin kennen gelernt habe, war die ‚Fundación’ während vier Monaten praktisch mein zweites Zuhause. Jetzt war ich unheimlich gespannt, was sich seither so alles getan hat in ‚Rancho los Pinos’.

Wie auf Nadeln verbrachte ich die letzen Minuten der Reise. Endlich war es soweit. Mitten in der Nacht und ziemlich übermüdet kam ich in Quito an. Doch von Schlafen war natürlich keine Rede. Meine Gastfamilie wartete schon darauf, jede Neuigkeit aus der Schweiz zu erfahren und meine Gastbrüder waren wild entschlossen, mir alles zu berichten, was ich in den letzten zwei Jahren verpasst hatte!

Am zweiten Tag unseres Besuchs machten wir uns auf den Weg ins Viertel. Ich war neugierig, zu sehen, was sich in diesen zwei Jahren verändert hat und freute mich darauf, gute Freunde wieder zu sehen. Im Viertel angekommen schien mir noch alles genau so wie bei meinem letzten Besuch. Nichts schien sich verändert zu haben. Einige Hühner, ein paar Schweine und eine einsame Kuh standen gemütlich am Eingang des Viertels, Hunde bellten und einige Bewohner grüssten uns freundlich. Doch hie und da entdeckte ich eine neue Baustelle zwischen den Häusern. Auch ‚Rancho los Pinos’ wächst und entwickelt sich immer mehr zu einem eigenständigen Viertel. Es ist beeindruckend, welch gewaltige Bauprojekte sich die Viertelbewohner vornehmen. Es fielen mir einige grosse und komfortable Häuser auf. Jedoch längst nicht alle Häuser werden fertig gestellt. Man baut, solange das Geld reicht.

Nicht nur das Viertel wächst, auch das Projekt ‚Minadores de Sueños’ entwickelt sich stetig weiter. Beim Anblick der ‚Fundación’ staunte ich nicht schlecht. Das Gebäude ist bereits dreistöckig, die Stützmauer, die den Hang stabil hält fast fertig gestellt und der zweite Schulraum schon bald einsatzfähig. Konkret bedeutet dies, dass mehr Platz da ist und somit mehr Kapazität, mehr Kinder betreut werden können und mehr Unterstützung angeboten werden kann. In den letzten zwei Jahren wurde tolle Arbeit geleistet!

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Los Bien Propios
Den letzten Tag vor unserer Abreise verbrachten wir mit der Jugendgruppe von ‚Minadores de Sueños’ und gestalteten gemeinsam Spray-Bilder. Für die Jugendlichen war es ein ganz besonderer Tag. Über längere Zeit hat sich eine Gruppe von zwölf- bis sechzehn-Jährigen aus Rancho los Pinos jeweils samstags in der Fundación getroffen und die Freizeit gemeinsam mit Spiel und Sport, Diskussionsrunden und Basteln und Werken verbracht. Nun war es soweit, die Jugendlichen hatten sich für einen Gruppennamen entschieden und ihr eigenes Logo kreiert: Los Bien Propios. Es ist schön zu sehen, wie ein Projekt, das schon seit mehreren Jahren immer wieder ein Gesprächsthema ist, Hände und Füsse bekommt.

Ich habe es genossen, eine kurze Zeit lang live mitzuerleben, was im Projekt läuft und zu sehen, wie ‚Minadores de Sueños’ ständig in Bewegung ist und sich Tag für Tag weiterentwickelt. Auch wenn es nur kleine Schritte sind wie der Einbau der letzten Fenster, die fertig gestellte Stützmauer oder das neu kreierte Logo der Jugendgruppe. Auch kleine Schritte können Grosses bewirken…

Eliane Berger, Volontärin Mai-August 06

Gelebte Solidarität

Was ist Solidarität? Wir werden immer wieder dazu aufgefordert, uns solidarisch zu zeigen, solidarisch mit jenen Menschen, denen es weniger gut geht als uns. Mit Menschen, die nicht in einem sicheren Land wie der Schweiz leben können. Der Aufruf zur Solidarität wirkt nicht selten moralisierend.
Doch wie können wir unserer Solidarität Ausdruck verleihen? Reicht der Gedanke, der Respekt und die Achtung vor anderen? Solidarität bedeutet immer auch die Auseinandersetzung mit der Thematik und das „Sich-Bewusstwerden“.

Die Oberstufe Cham (ZG) hat sich während einer Woche intensiv mit dem Thema Solidarität auseinandergesetzt.

Im Rahmen dieser Projektwoche setzte sich eine Gruppe von Jugendlichen zum Ziel, Spendengelder für ein Hilfsprojekt zu sammeln. Die Oberstufenschülerinnen und -schüler des Schulhauses Röhrliberg in Cham gleisten selbstständig Sammelaktionen auf und sammelten während einer Woche für das Kinderporjekt „Minadores de Sueños“. Von der Planung bis zur Umsetzung der Sammelaktion stellten die Jugendlichen alles selber auf die Beine. Nachdem geeignete Aktionen gefunden, Plakate gestaltet und die Einsatzgruppen gebildet waren, konnte es losgehen. Einige Gruppen liessen sich vom Schuhmacher ein letztes Mal in die hohe Kunst des Schuhepolierens einweihen, bevor sie sich dann auf die Strassen begaben. Während drei Tagen herrschte in Cham und Zug ein ungewohntes Bild. Jugendliche boten ihre Dienste als Schuhputzer an! Und die Dienste wurden von der spendablen Kundschaft gerne in  Anspruch genommen. Wer sich nicht die Schuhe putzen lassen wollte, hatte die Möglichkeit sein Velo putzen zu lassen. Auch ein verlockendes Angebot. 
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Der Einsatz der Oberstufenschülerinnen und Oberstufenschüler hat sich gelohnt. Die Kundschaft war zufrieden und spendete grosszügig. So war Ende der Woche eine schöne Summe Spenden zusammen gekommen, welche die Jugendlichen freudig dem Projekt überreichten.

Wir von „Pro Minadores de Sueños“ haben uns sehr über die Solidarität und das Engagement der Chamer Jugendlichen gefreut. Ein grosses Dankeschön an die Oberstufenschülerinnen und -schüler für ihren tollen Einsatz!
Muchas gracias!

Mercado – Markt auf ecuadorianisch

Wer den Begriff „Markt“ googlet, erhält unter anderem die Definition „Verkaufsveranstaltung, zu der in regelmässigen oder unregelmässigen Abständen an einem bestimmten Ort Händler zusammenkommen, um Waren des täglichen Bedarfs an Ständen zu verkaufen“.

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Je nach Markt und „Händler“ trifft das in unterschiedlichem Mass zu. Bezüglich des Engagements des Verein „Pro Minadores de Sueños“ am Strohhusmärt in Kölliken kann man wohl kaum von Händler sprechen und noch weniger von Waren des täglichen Bedarfs.

Auch in Ecuador findet man Märkte mit ähnlichem Angebot. Diese Märkte sind insbesondere ein Produkt des Tourismus – die Käufer sind fast ausschliesslich aus fernen Länder. Das Angebot ist nicht wie in der Schweiz fein säuberilch mit Preisschildchen versehen, sondern der Preis kann durchaus verhandelt werden, was von den Touristen schon fast in Volkssport ähnlicher Art und Weise ausgeschöpft wird. Ein Markt kann durchaus als Symbol für die Lebensumstände verstanden werden. In der Schweiz werden die Stände bereitgeststellt und sind dadurch identisch – es haben also alle die gleichen Voraussetzungen. In Ecuador bringt jeder, was er hat, um einen Stand bereit zu stellen und die Verkaufsstände gleichen wohl eher Kisten-Kunstwerken und wiederspiegeln die überlebensnotwendige Kreativität. Der wohl grösste Unterschied besteht aber darin, dass der ecuatorianische Markt für jeden einzelnen Händler die Existenzgrundlage darstellt, während die Händler in der Schweiz zusätzlich einen Laden haben oder der Markt schlicht ein Hobby darstellt – was für ein Luxus!

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Für die Vorstandsmitglieder ist die Teilnahme am Strohhusmärt eben Hobby – soziales Engagement aus Überzeugung. Wir freuen uns über Kontakte zu Menschen unterschiedlicher Denkweisen und Ansichten. Wir nutzen Begegnungen, um Menschen für die Bedürfnisse und Anliegen der Familien in Ranchos los pinos zu sensibilisieren und erleben viel Interesse und Anteilnahme. Die Marktbesucher haben offene Ohren und Herzen für die Geschichten aus einer anderen Welt und kaufen einen Schal oder ein paar Handschuhe für einen guten Zweck. Ohne den Faktor „alltäglicher Bedarf“ und ohne sich im Spiegel betrachten und bezüglich der Schönheit des neu erworbenen Stücks versichern zu können, kaufen die Menschen ein. Der Gedanke etwas Gutes tun zu können, lässt die Menschen von innen heraus strahlen. In diesem Sinne war der Kölliker Strohhusmärt einmal mehr ein sonniger Tag!