Auch im Jahr 2005 können wir wieder auf allerlei interessante und tief greifende Aktivitäten und Geschehnisse zurückblicken. Die herausragendsten Entwicklungen möchten wir gerne mit Dir teilen.
Fertigstellung der ersten eigenen Räumlichkeiten
Endlich konnte nach anstrengenden Stunden, Tagen, Monaten des Bauens der erste Schulraum eingeweiht werden.
Der Bau war nicht nur körperlich anstrengend, sondern auch administrativ ein Spiessroutenlauf. Doch jetzt hat das Gebäude Wasser, Strom und sogar eine 600 Meter lange Telefonleitung bis zu unserem Büro. Ohne die Hilfe von Nachbarn wäre diese Leistung nie möglich gewesen. Jugendliche aus dem Viertel haben uns beispielsweise alles Elektrische fachgerecht installiert. Der Schulraum kann also ohne zu übertreiben als Gemeinschaftswerk beschrieben werden. Nach den Sommerferien konnten wir mit grosser Genugtuung die Aufgabenhilfe in den neuen Räumlichkeiten starten und der Gemeinschaft so bereits wieder etwas zurückgeben.
Aufgabenhilfe – ein guter Start in die Zukunft
Durch die professionelle Arbeit aller Beteiligten konnten die 20 eingeschriebenen Kinder im Sommer mit guten Prüfungsergebnissen und somit einem sehenswerten Zeugnis in die Ferien entlassen werden. Während der gesamten Zeit der Aufgabenhilfe wurden nebst den Verbesserungen in den Schulleistungen auch Veränderungen im Sozialverhalten beobachtet. Die Kinder übernahmen zusehend mehr Eigenverantwortung, zeigten mehr Solidarität und bessere Kommunikationsfähigkeiten im Umgang mit ihren Altersgenossen, wodurch aggressives Verhalten schrittweise in den Hintergrund rückte. Wie bereits im letzten Jahr begann auch dieses Jahr am ersten Oktobermontag ein neues Schuljahr. Ohne jegliche Werbung erschienen die Kinder in der Aufgabenhilfe. Fünf der Kinder sind im neuen Schuljahr nicht mehr dabei, da sie nach Spanien zu ihren emigrierten Eltern gereist sind. Ihre Plätze wurden durch Kinder aus sehr zerrütteten Familienverhältnissen wieder besetzt. Seit Neustem findet die Aufgabenhilfe nun in den eigenen und grosszügigen Schulräumen statt. Dies ermöglicht uns mehr, nämlich bis zu 30 Kinder aufzunehmen. Zudem denken wir daran, das Angebot auf den Morgen auszudehnen, damit auch die Kinder, die nachmittags die Schule besuchen, von der Unterstützung durch die Aufgabenhilfe profitieren können.
Drei Kindern den Schuleintritt ermöglicht
Für uns ein ganz grosser Erfolg ist, dass wir dieses Jahr drei Kindern den Schuleintritt ermöglichen konnten. Die Kinder waren praktisch verwahrlost, als sie zu uns stiessen und der allein erziehende Vater völlig überfordert. Die Kosten für Schulbücher, Schulmaterial, Uniform, usw. teilten sich die Fundación und das nationale Sozialwerk für Familie und Kind (INNFA). Durch diese finanzielle Entlastung des Vaters wurde den drei Kindern dieses Jahr die Schulbildung gesichert. Um auch dort zu bleiben erhalten sie jetzt jeweils nachmittags Unterstützung in der Aufgabenhilfe. Ein weiteres Kind absolviert momentan einen informellen Kindergarten bei uns, damit es so dann im nächsten Schuljahr für den Schuleintritt parat ist.
Sommerferienprogramm – Freizeitangebot mit pädagogischem Wert
Nach dem letztjährigen Erfolg wurde das zweiwöchige Ferienprogramm auch dieses Jahr wieder in Angriff genommen. Ziel dieses Ferienangebotes ist es, den Kindern ein Freizeitangebot fern von Alltagssorgen zu bieten, welches ihnen die Möglichkeit gibt, sowohl Wissen wie auch menschliche Werte gemeinsam mit anderen Kindern zu erfahren und zu lernen. Dieses Jahr trafen sich 104 Kinder zum Thema ‚Natur’. Mit einem sehr vielseitigen Angebot wurde den Kindern verschiedene Aspekte der Natur und die Wichtigkeit ihr Sorge zu tragen vermittelt. So gab es beispielsweise Ausflüge in den Zoo und in den nahe gelegenen Wald, Putznachmittage und Pflanzensetzen im Viertel, und natürlich die jährlichen Aktivitäten wie Malen, Masken basteln und Spielen.
Wir haben wie bereits letztes Jahr eine Gruppe von Jugendlichen um uns geschart, welche das Programm mitplanten und umsetzen halfen. Die Erfahrungen des letzten Jahres haben sich deutlich abgezeichnet und zu einer ausgezeichneten Arbeit mit den Kindern geführt. Für einzelne Aktivitäten durften wir auch wieder die Räumlichkeiten von Bewohnern des Viertel benutzen, was zeigt wie gut das Ferienprogramm bereits im zweiten Jahr seines Bestehens ins Leben im Viertel integriert ist. Das Ferienprogramm wurde mit einer farbenfrohen Theatervorführung abgeschlossen und die Kinder warten nun gespannt aufs nächste Ferienprogramm im 2006.
Integration Jugendlicher – Jugendliche für Jugendliche
Zusammen mit Midi, einem Praktikant der Fachhochschule St.Gallen, haben wir in Anschluss an das Sommerferienprogramm weitere Treffen mit den jugendlichen Helfern organisiert. Ziel dieser Treffen war es, den Jugendlichen Themen wie Sexualität, Verhütung und Krankheiten näher zu bringen.
Als Endresultat soll eine Jugendgruppe entstehen, die selbständig Aktivitäten für Jugendliche, aber auch für die Kinder des Viertels organisiert. Kurzum die Jugendlichen sollen selber Verantwortung für die Freizeitgestaltung in ihrer Peer-Gruppe übernehmen.Weihnachten – ein Fest der Liebe
Jeweils in der Weihnachtszeit organisiert die Fundación ein spezielles Programm, welches alle Kinder des Viertels zusammenführt. Für uns ist es wichtig, den Kindern auf spielerische Art - zum Beispiel anhand von Geschichten und Liedern - den Sinn der Weihnachten näherzubringen. Werte wie Liebe und Solidarität stehen in dieser Zeit im Vordergrund. Das einwöchige Programm mit über hundert Kindern wurde auf traditionelle Weise mit den ‚Süssigkeits-Säckli’ abgerundet.
Volunteers – Sinnvolle Hilfe aus dem In- und Ausland
Unser Projekt wird grösser. Das ist schön, da es bedeutet, dass wir mehr bewirken können. Doch dazu brauchen wir auch mehr freiwillige Helfer. Entsprechend dankbar sind wir, dass seit diesem Jahr Antonio, ein 20-jähriger ecuadorianischer Student, vollumfänglich bei uns mitarbeitet. Als Gegenleistung bekommt er ein Sackgeld, mit welchem er sein Studium finanziert. Jeweils Samstag helfen zudem noch weitere nationale Volunteers mit.
Zum ersten Mal in der Geschichte des Projektes absolviert zudem ein Student aus der Fachhochschule St. Gallen sein Praktikum als Sozialarbeiter in der Fundación. Midi wird uns noch bis Ende 2005 tatkräftig unter die Arme greifen.
Während dem Ferienprogramm unterstützte uns zudem für einen Monat Martina, eine Kindergärtnerin aus dem Aargau.
Quito, im November 2005
Marco Nyffeler
Fundacion ‚Minadores de Sueños’