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1. Was sind die Schwerpunkte des Projektes „Minadores de Sueños“?

Aktuell umfasst unser Angebot, das gegen einen symbolischen Beitrag genutzt werden kann, vier inhaltliche Schwerpunkte:

• Im Bereich der Bildung macht die tägliche Aufgabenhilfe den grössten Anteil aus. Daneben bieten wir zur gezielten Förderung in einzelnen Fächern zusätzlich Einzel-Stützunterricht und punktuell Hilfe bei der Finanzierung der Schulgebühren. Nebst dem Angebot für die Kinder, legen wir auch viel Wert auf etwas, das man bei uns Erwachsenenbildung nennen würde. Wir bilden unsere einheimischen jugendlichen Volontäre in verschiedenen Bereichen permanent aus und weiter.
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• Unser Freizeitprogramm umfasst einerseits das Ferienprogramm, das sich jährlich einem Thema widmet und an dem bis zu 150 Kindern teilnehmen und andererseits Bastelaktionen zu besonderen Gelegenheiten wie Weihnachten, Ostern, Muttertag das ganze Jahr über. Zudem achten wir auch immer auf Pausen während den im Bildungsschwerpunkt beschriebenen Aktivitäten, während denen wir basteln, spielen, Geschichten erzählen, zeichnen etc.
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• Wenn die Kinder bei uns sind garantieren wir auch einen Beitrag zu einer ausgewogenen Ernährung. Wir bieten kleine Zwischenmahlzeiten, die für die Kinder eine willkommene Nahrungsergänzung darstellen.
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• Bei all den beschriebenen Aktivitäten achten wir auch auf eine alltägliche Gesundheitserziehung. Die Kinder lernen wie wichtig es ist, die Hände zu waschen, den Arbeitsplatz sauber zu halten oder es wird auch mal ein Arztbesuch in die Wege geleitet.

Die 4 Schwerpunkte stehen nicht isoliert nebeneinander, sondern interagieren stark, so dass unsere tägliche Arbeit sozusagen in Schnittbereichen der einzelnen Schwerpunkte stattfindet. Die gesamte Arbeit ist strukturell in eine eigens dafür gegründete Stiftung eingebettet, die beim Departement für Soziales in Quito angemeldet ist.

Für mehr Informationen zur Geschichte des Projektes “Minadores de Sueños”, zu den Zielen und inhaltlichen Schwerpunkten sowie den Finanzen empfehlen wir die PDF-Datei Projektbeschrieb.


2. Was ist dein beruflicher Hintergrund? Inwiefern ist dir deine Ausbildung eine Hilfe in der täglichen Arbeit im Projekt?

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Nach der obligatorischen Schulzeit machte ich eine 4-jährige Lehre als Maschinenzeichner bei der damaligen Sprecher Energie, einer Firma im Maschinen- und Elektrobau. Nach mehreren Jahren auf dem Beruf und einigen Reisen nach Südamerika entschloss ich mich eine Zweitausbildung als Sozialpädagoge in Angriff zu nehmen und besuchte während 3 Jahren in Form eines Vollzeitstudiums die Fachhochschule in Rorschach. Beide Ausbildungen sind mir heute eine grosse Hilfe in der täglichen Arbeit im Projekt. Während mir meine Grundlagen in Algebra, Physik und technischem Zeichnen eine Hilfe beim Zeichnen der Pläne für Gebäude und Möbel und deren Umsetzung sind, gibt mir meine sozialpädagogische Ausbildung das Werkzeug für die tägliche Arbeit mit den Kindern auf sozialer Ebene. Während das technische Knowhow relativ kulturunabhängig ist, ist der Übertrag der erlernten sozialpädagogischen Theorien in die ecuadorianische Kultur immer wieder eine grosse Herausforderung, bei deren Bewältigung mir meine einheimische Frau eine grosse Hilfe ist.


3. Was ist dein genauer Job? Was hat sich im Vergleich zum Anfang gewandelt?

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Das Projekt „Minadores de Sueños“ ist zurzeit ein kleiner Betrieb mit 5 und in Spitzenzeiten wie dem Ferienprogramm bis zu 15 Volontären. Meine Frau Alba und ich haben die Leitung des Projektes aufgeteilt. Während sie die inhaltliche Hauptverantwortung für die Bildung und das Freizeitangebot hat, koordiniere ich alles was, darum herum passieren muss, damit die Inhalte umgesetzt werden können. Das heisst ich kümmere mich um Finanzielles, um rechtliche Angelegenheiten, um die Öffentlichkeitsarbeit, um die Bauleitung, um die Betreuung der einheimischen und internationalen Volontäre, um nur einige Aufgabe zu nennen. Zu Beginn meiner Arbeit in Quito war ich ausschliesslich an der Basis mit den Kindern selbst tätig. Das war damals als Volontär im Projekt in der Forestal. Als jenes Projekt unabhängig von finanzieller Hilfe und externer Unterstützung funktionieren konnte, suchte ich eine neue Aufgabe, die ich mir mit dem neuen Projekt gegeben habe. Dadurch dass ich das aktuelle Projekt selber ins Leben gerufen habe, avancierte ich vom Volontär zum Projektleiter mit der entsprechenden Verantwortung.


4. Was sind die Ziele bis 2010?

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Die Ziele bis 2010 lassen sich in drei Hauptziele unterteilen: das Gebäude, die Inhalte und Empowerment der einheimischen Mitarbeiter. In dem sich im Bau befindenden Gebäude ist aktuell ein Raum nutzbar und ein weiterer im Rohbau. Bis Ende 2010 sollten 4 Räume nutzbar gemacht werden. Dadurch erhalten wir die Möglichkeit unser Angebot entsprechend auszubauen. Die bestehenden Angebote können mehr Kindern zugänglich gemacht werden und wir können die Altersgruppe weiter öffnen. Für die Kleineren, unter 5-Jährigen, schwebt uns ein Kinderhort vor und für die 15-18-Jährigen würden wir gerne einen Jugendtreff anbieten, während dem Themendiskussionen und Workshops angeboten werden können. Im Weiteren haben wir Visionen für einen Mittagstisch und für eine ambulante medizinische Versorgung vor Ort. Die grösste und wichtigste Aufgabe besteht jedoch darin, Schritt für Schritt mehr Verantwortung an die einheimischen Mitarbeiter abzugeben. Wir vermitteln ihnen das nötige Wissen und die Skills, die sie brauchen, um Aktivitäten selber zu leiten und immer mehr Managementaufgaben zu übernehmen, damit wir uns über kurz oder lang entbehrlich machen können. Das bedingt natürlich auf unserer Seite ein Prozess des Loslassens und Akzeptierens, dass sie es auf ihre andere Weise gut machen und die Hoffnung, dass die Angebote längerfristig bestehen bleiben werden.


5. Welche Schweizerischen Eigenschaften sind in Ecuador hilfreich? Welche lässt man besser Zuhause?

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Eine schwierige Frage. Denn viel entscheidender als die Eigenschaften an sich ist das Mass, in dem man sie lebt. So können unser Bedürfnis nach Struktur, unser schweizerisches Verantwortungsgefühl und das Bedürfnis zu Dingen, zu denen man A gesagt hat, auch B zu sagen, im Sinne einer Vorbildfunktion und im Sinne von alternativen Verhaltensmustern durchaus hilfreich sein. Man sollte diesbezüglich vor allem die Erwartung Zuhause lassen, dass Abläufe und Zusammenarbeit gleich funktionieren wie in der Schweiz.
Auch unseren Umgang mit Zeit, der sehr von Planen und von Pünktlichkeit geprägt ist, lässt man besser Zuhause. In einem Land wie Ecuador muss man dem Spontanen eine Chance geben und kann dadurch viele Dinge erleben, die man sonst einfach weggeplant hätte.


6. Du hast immer wieder Volontäre aus Europa. Was muss jemand mitbringen, um die Arbeit sinnvoll unterstützen zu können?

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Auf der Website des Vereins “Pro Minadores de Sueños” kann man sich die Voraussetzungen für einen Freiwilligeneinsatz runterladen oder auch lesen, wie es anderen Volontären im Projekt ergangen ist (zu den Berichten ehemaliger Volontäre). Für nicht-ecuatorianische Volontäre gilt, dass sie volljährig sein müssen (einheimische Volontäre sind auch ab 16 Jahren bereits willkommen). Zudem müssen sie Grundkenntnisse in Spanisch mitbringen. Viele besuchen vorgängig zum Einsatz im Projekt während einigen Wochen eine Sprachschule und leben in einer Gastfamilie, was eine sehr gute Basis liefert (Schulen und Gastfamilien können vermittelt werden). Fachliche Kompetenzen sind weniger zentral. Eine abgeschlossene schulische Ausbildung genügt. Viel wichtiger als der berufliche Hintergrund ist uns die Motivation mit Kindern arbeiten und sich auf eine fremde Kultur einlassen zu wollen. Ein Einsatz erfolgt je nach Fähigkeiten. Jeder soll das machen können, was er gut kann. Die Dauer ist optimalerweise Monate oder länger.

7. Was würdest du dir für Ecuador wünschen, wenn du drei Wünsche frei hättest?

Soziale Gerechtigkeit. Ich würde mir wünschen, dass die elitäre Klassengesellschaft durchbrochen wird und es zu mehr Chancengleichheit kommt. Gerade die Bildung sollte unabhängig von der sozio-ökonomischen Schicht zugänglich sein. In diesem Prozess sollte der Staat Verantwortung übernehmen und investieren.

• Korruption durchbrechen. Ecuador ist eine präsidiale Demokratie, in der das Volk für 4 Jahre einen Präsidenten oder eine Präsidentin wählt. Der Präsident ist Staatsoberhaupt, Regierungschef und Oberbefehlshaber der Streitkräfte zugleich, was ihm höchste Macht über die Geschicke seines Landes einbringt. Bei der Besetzung der wichtigen Posten in der Regierung sind familiäre Beziehungen und die Dicke des Portemonnaies wichtiger als Kompetenzen. Die Interessen des Landes werden den eigenen untergeordnet, wodurch Fortschritt und Kontinuität nur schwer gewährleistet werden können.

• Natur schätzen und pflegen. Ecuador ist ein wunderbares Land. Trotz seiner auf dem Südamerikanischen Kontinent kleinen Fläche bietet es Küste, Hochland, Dschungel und die einzigartigen Galapagos-Inseln. Die Natur ist ein grosses Kapital, welches das ecuadorianische Volk schätzen und pflegen lernen muss.

Der dritte Wunsch war mit ein Grund, dass Natur und Umweltschutz im Sommerferienprogramm 2007 zentrale Themen waren.
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Die Kinder haben voller Eifer beispielsweise PET-Flaschen gesammelt und zur vom Projekt eröffneten Sammelstelle gebracht, wo sie dafür ein kleines Entgelt erhalten


8. Wo ist deine Heimat? Wie gehst du damit um zwischen zwei Welten Zuhause zu sein?

Ich bin als Schweizer in Ecuador daheim. Ich habe das Glück zwei Heimaten zu haben, da Heimat für mich nichts Geografisches ist, sondern dort ist wo man Familie hat, sich geborgen fühlt. Da ich ein Mensch bin, der sehr gut „im Moment“ leben kann, lebe ich nicht zwischen zwei Welten. Ich lebe in der einen Welt und wenn ich mich auf den Weg in die anderen mache, bin ich immer auf dem Heimweg, da ich auf dem Weg zu meiner Familie hier oder dort bin.