Von 80 zu 80

Verfasst von Salome Bossard – Volontärin von Januar bis März 2011

Die Fundación „Minadores de Sueños“ liegt im Südosten von Quito, weg von der Zivilisation. Naja, nicht ganz, aber ich fühle mich schon ein bisschen wie auf dem Land. Im Quartier „Rancho los Pinos“ gibt es eine einzige richtige Strasse, und auch die erst seit kurzem. Sonst haben wir hier nur Buckelpisten und Schlammwege. Wie es das Schicksal so schön will, liegt unser Projekt natürlich nicht an der Hauptstrasse. Wenn es trocken ist, ist das nicht ein so grosses Problem, doch bei Regen kann man das Projekt kaum verlassen. Eine Schlammwanderung  zu Fuss geht noch knapp, aber mit dem Auto ist es fast unmöglich. Doch was macht man in einer Notfallsituation? Zum Beispiel bei einem Unfall mit den Kindern? Die warten schliesslich nicht auf Sonnenschein, um Blödsinn zu machen und wild rumzutoben. Da muss man schnell reagieren können.

in trockenem Zustand ganz ok mit 80 Jahren fleissig an der Arbeit es gibt noch viel zu tun
Marco Nyffeler, der Projektleiter, hat also beschlossen, eine Steinstrasse zu machen. Einige Teile sind bereits fertig und wir hoffen, dass bald die ganze Strasse steht. Das Problem ist aber wie immer das Geld. Steine und Arbeiter kosten schliesslich auch in Ecuador was. Die Fundación hat einen 80-jährigen Mann engagiert, Señor José  Antonio Llerena, geboren am 8. April 1930. Er hat sein Leben lang Steinstrassen gebaut. Für ihn ist das mehr als nur sein Beruf, es ist seine Berufung. Er arbeitet ca. 8 Stunden am Tag. Warum? Ohne zu arbeiten, auch in seinem hohen Alter, würde er nicht leben können. Er kriegt eine Rente von 30 Dollar pro Monat. Das ist auch in Ecuador so gut wie nichts. Familie hat er, so weit ich weiss, keine. Die Kinder sind ausgeflogen, haben selbst kein Geld und eine eigene Familie.

Eine gepflasterte Strasse ist aber ziemlich teuer. Pro Quadratmeter Strasse bekommt Señor José Antonio Llerena 2.- $. Das bedeutet, dass er auch mal einen Tag arbeitet, ohne etwas zu verdienen, zum Beispiel, wenn er Steine zuschlagen muss. Die 2.5 Meter breite Strasse wird im ganzen 600 Meter lang, Das ergibt Kosten von  3’000.- $, Material noch nicht einberechnet. Die Stadtverwaltung sponsert die Steine, doch man muss sehr lange auf sie warten und es kostet viel Nerven. „Oft habe ich gedacht, dass es besser wäre, die Steine selbst zu bezahlen, dann würde es wenigstens ein bisschen vorwärts gehen“,  so Marco Nyffeler.

Mein Grossvater wurde am 15. März 2011 80 Jahre alt. Anlässlich seines Geburtstages spendete er der Fundación „Minadores de Sueños“ einen Geldbetrag.  „Von 80 zu 80“, das war der Sinn der ganzen Sache. Ein Austausch zwischen zwei Männern, die unterschiedlicher nicht sein können. Der eine aus der untersten Klasse von Südamerika, der andere ein Dr.oec. aus der Schweiz. An dieser Stelle vielen Dank! Ihr beiden 80-jährigen habt uns sehr geholfen. Mit dieser Strasse kann man nicht nur in Notfallsituationen schneller reagieren. Sie brachte auch neues Leben in die abgeschotteten Teile unseres „Barrios“. Auch am Sonnatg ist oftmals schon um 7 Uhr morgens Betrieb. Wer will Gasflaschen austauschen? „In solchen Momenten wünschte ich, die Strasse würde es nicht geben.“, so  Marco Nyffeler. Man sieht also, die Strasse ist für Vieles eine Bereicherung.

Der Bau der Strasse dauert jetzt schon fast ein Jahr und neigt sich dem Ende zu. Wenn die Strasse fertig ist, müssen die Menschen in “ Ranchos los Pinos” die Strasse selbst unterhalten. Marco Nyffeler will nicht, dass es „seine“ Strasse ist, also werden die Einheimischen Verantwortung übernehmen müssen.

3 Gedanken zu „Von 80 zu 80“

  1. Ecuador ohne Hilfsprojekte und Volontäre ist für mich undenkbar… was da alles geholfen, gelehrt und finanziert wird ist eine wahnsinnig grosse Hilfe… Ich lebe zwar in Ecuador, habe aber leider das Barrio noch nicht persönlich kennengelernt, bin aber begeistert vom Projekt und finde es sehr unterstützungswürdig… Toi toi toi und vielen Dank Marco und allen, die Zeit, Geld, Verständnis, Geduld und Liebe in unser Land bringen.

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