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Monatliches Archiv für Oktober, 2010

Alltag in der Fundación

Nach unserer grossen Reise durch Ecuador (Reiseberichte und Fotos auf http://jannaymichaelenecuador.ch/) haben wir die letzten Tage in Quito verbracht. Das gab uns die Gelegenheit, nochmals bei Marco vorbei zu schauen. Wir waren bereits im August  da und haben beim Ferienprogramm mitgeholfen, jetzt während der Schulzeit ist die Aufgabenhilfe das Hauptbetätigungsfeld der Fundación. In der letzten Zeit gab es einige personelle Änderungen, so wurden zwei Lehrerinnen angestellt, die die Kinder bei ihren Aufgaben unterstützen. Im Moment haben 40 Kinder die  Möglichkeit, ihre Hausaufgaben jeweils am Nachmittag nach der Schule in der Fundación zu erledigen. Dabei schauen ihnen die Lehrerinnen über die Schulter, ermutigen sie und helfen ihnen, wenn es gar nicht mehr weiter geht. Hier können die Kinder ihre Aufgaben in einer angenehmen Atmosphäre erledigen, bei Fragen sind die Betreuerinnen für sie da und helfen den Schulstoff zu festigen.

Eine Gruppe von etwa 10 Kindern hat jeweils an einem Tag in der Woche die Gelegenheit, zusätzlich zum Englischunterricht in der Schule noch Englisch hier in der Fundación zu lernen. Eine wichtige Investition in die Kinder dieses Landes, in dem man als Reisender ohne Spanischkenntnisse noch ziemlich verloren ist. Dafür ist der Volontär / die Volontärin zuständig. Rafael, so heisst der aktuelle Volontär, brachte der Rasselbande gerade spielerisch 10 englische Verben bei. Hier merkte man deutlich, wie unterschiedlich der Entwicklungsstand der Kinder ist: Die aufgeweckte Tochter der einen Lehrerin merkte sich in kürzester Zeit die zehn Wörter, andere Kinder der ärmeren Familien hatten wesentlich mehr Mühe oder waren schüchtern. Ein Junge ist uns aufgefallen, der kaum etwas sehen konnte. Wie Marco uns sagte, wird die Fundación ihn untersuchen lassen und dann die Kosten der wohl unvermeidlichen Operation übernehmen, die sich die Eltern nicht leisten können.

Die Fundación verändert sich nicht nur in personeller Hinsicht, auch das zweite Gebäude nimmt Formen an. Habe ich vor zwei Monaten noch geholfen, die Sockel von zwei der unzähligen Stützen zu betonieren, so sind nun einige Leute aus dem Dorf dabei, ebendiese Sockel über eine Betonsteg miteinander zu verbinden. Auf diesen Stegen liegt dann später das Gewicht der Böden und der Seitenwände. Auch der Aufbau der Öko-WCs wird nun deutlich: Am Ende sind jeweils 4 der 8 WCs geöffnet, während im Tank der anderen 4 Toiletten innerhalb eines Jahres wertvoller Humus entsteht. Dabei ist nicht der entstehende Dünger das wichtigste, sondern dass weder Wasser zum Spühlen gebraucht wird noch Abwasser den Berg hinunter gelassen werden muss.

Für mich als ‘Bürogummi’ waren diese Wochen bei Alba und Marco eine sehr interessante Erfahrung. Leute und vor allem Kinder zu sehen, die so komplett anders leben und für ihr Leben auch kämpfen müssen, ist eindrücklich und gibt einem zu denken. Wir wünschen den beiden weiterhin viel Kraft und Ausdauer, die wichtige Arbeit weiterzuführen. An Ideen mangelt es den beiden jedenfalls nicht…

Herzlichen Dank für den Bericht an Michael und Janna

SchweizerInnen in Ecuador

Viele von euch haben sich wahrscheinlich schon einmal gefragt, was bewegt Schweizer wie unser Projektleiter Marco Nyffeler dazu, in ein Land wie Ecuador zu emigrieren. Mit dieser Frage hat sich auch Gwendolyn Gillieron, eine Studentin der Gesellschaftswissenschaften an der Universität Basel, auseinandergesetzt. Sie hat im Jahr 2009 eine interessante Bachelor-Arbeit zum Themenkomplex Migration und Integration in Ecuador geschrieben.

Als Basis dienten ihr Interviews mit 18 Schweizerinnen und Schweizern, die in Ecuador leben. Darunter auch Marco Nyffeler. Sie wollte herausfinden, was die Beweggründe ihrer Emigration waren, weshalb die Wahl auf Ecuador fiel und ihre Imigration in ihrem neuen Zuhause beleuchten. Ihr Interesse galt auch insbesondere der Frage, weshalb man aus der gut-schweizerischen Wohlstandsgesellschaft in ein ärmeres Land umsiedelt.
Ecuador hat sie für ihre Arbeit gewählt, da sie aufgrund eines Schüleraustausches im Janr 2004/05 bereits gute Vorkenntnisse von Land und Leute mitbrachte.

Allgemein kann man aus den Daten schliessen, dass vor allem Schweizer der Mittelschicht, nach abgeschlossener Ausbildung im Alter zwischen 25 und 30 Jahren auswandern. Im Allgemeinen lässt sich feststellen, dass entweder die Begegnung mit dem Lebenspartner oder die berufliche Weiterentwicklung (Sprache, Erfahrungen, Selbstständigkeit) ausschlaggebend waren um in Ecuador zu bleiben, also die Möglichkeit der beruflichen oder der privaten Selbstverwirklichung. Es ist auffallend, dass in den meisten Fällen die Auswanderung nicht definitiv geplant war, sondern dass sie sich erst mit der Zeit ergab. Die Auswanderer beschreiben, dass sie sich häufig nur ungenügend mit der Schweiz identifizieren konnten, sich gar als Aussenseiter der Gesellschaft fühlten oder sich vom Durchschnitt abgrenzen wollten. In Ecuador sind sie jeden Tag mit Herausforderungen konfrontiert, was ihnen Improvisation und Kreativität abverlangt. Etwas Neues tun, ohne Anforderungen an Ausbildungen, Vorschriften und Regeln. Pflege eines Lebensstandards, den sie in der Schweiz nicht leben könnten. Es wirkten also sowohl Push-Faktoren wie die Unzufriedenheit in der Schweiz als auch Pull-Faktoren wie die Verwirklichung eigener Ziele in Ecuador.
Als “erfolgreiche Emigration” beschreibt die Autorin, sich in einem neu geschaffenen Raum zwischen den Kulturen komfortabel eingerichtet zu haben. Viele sind sich bewusst, dass sie in Ecuador immer Ausländer bleiben werden und lernen müssen, damit umzugehen und es zu akzeptieren. Eine Rückkehr wird von den meisten höchstens bei einem Ausnahmezustand in Betracht gezogen.

Die vollständige Arbeit findet ihr hier